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Montag, 29. Februar 2016

3. Baustein und Monatsende

Gestern hatte ich verschiedene Möglichkeiten beschrieben einen Trend zu bestimmen. Am Ende hatte ich dann auf die wirklich steuerbare Größe des Risikos hingewiesen.

Da heute Monatsende ist und damit ein neuer Trade für das ETF-Portfolio ansteht, möchte ich an diesem Beispiel zeigen, wie ich das Thema Risiko für mich handhabe.

Gleich am Anfang des Blogs wurden die "Asset-Klassen" welche für das ETF Portfolio in Frage kommen beschrieben. In einem weiteren Blog wurden aus den "Asset-Klassen" Strategien mit Risiko-Prämien (Ertrag) und Risiko-Profilen (Risiko, DrawDown) - siehe Tabelle:


Hier einige Informationen auf einmal zu sehen. Gewicht ist der prozentuale Anteil am Portfolio. Ertrag ist der annualisierte Ertrag der jeweiligen Strategie. Das Risiko ist das annualisierte Risiko. DrawDown ist eine für mich wichtigere Größe als das Risiko bzw. die Standardabweichung.

DrawDown ist der maximale Verlust vom jeweiligen Höchststand der Strategie. Die MAR (Managed Account Ratio) ist Ertrag / DrawDown - angelehnt an die Sharpe Ratio (Ertrag über risikolosem Zins / Risiko).

Das Prinzip ist nun relativ einfach: die Renten- und die Aktienstrategien haben einen DrawDown von ca. 10-15%, während die Rohstoffe das doppelte aufweisen.
Damit werden die beiden erstgenannten mit dem doppeltem Gewicht im Portfolio, relativ zu den Rohstoffen versehen.

Das Prinzip ist keine Wissenschaft - ich halte die Gewichte prinzipiell statisch, bzw. werden dies in größeren Abständen nochmal überprüft. Die Strategie soll jedoch möglichst einfach umzusetzen sein und das genaue Verhalten bzgl. DrawDown und Risiko ist auch nur approximativ zu bestimmen.

Theoretisch fundiert ist das Ganze unter dem Stichwort Risk-Parity. Diese Art der Portfoliogewichtung wurde prominent von Bridgewater (Ray Dalio) zur Anwendung gebracht. Dabei wird prinzipiell das Risiko im Portfolio nach dem Prinzip 1/Risiko gleich gewichtet. Es gibt jedoch andere Untersuchungen, welche den Risikobeitrag (also unter Beachtung von ungleicher Korrelationen der einzelnen Assets/Strategien) oder den Shortfall als Maßgröße nutzen. In den letzten Jahren wurde auf dem Gebiet einiges geforscht - hier hilft Google sicher weiter.

Weiterhin ist in der Tabelle die deutliche Risikoreduktion, insbesonderer der DrawDowns durch die Verwendung einer Trendfolgestrategie zu sehen.

Das Risiko sinkt zwar meist auch, jedoch ist das Ergebnis nicht ganz trivial. 
Zum Hintergrund: Meine Strategie arbeitet zwar nur auf der Long-Seite, aber es können auch relativ hohe positive Monatsrenditen auftreten, wenn die Strategie nicht investiert ist. Diese positiven Renditen würden durch die Strategie abgeschnitten und damit wird die Verteilung der Renditen weniger breit als im Vergleich mit Buy-and-Hold. Die Gefahr von DrawDown bliebe jedoch weiterhin gegeben.

DrawDowns werden durch Autokorrelation verursacht. Eine Strategie, die Autokorrelation als Bedingung für das funktionieren unterstellt (langsame Anpassungsprozesse - Over- and Underreaction) und daraus einen Vorteil zieht, kann große DrawDowns vermeiden.

Der Vergleich der Erträge der Index-Strategie (also Buy-and-Hold) mit den Erträgen der Trendfolgestrategie zeigt, dass nicht immer ein höherer Ertrag zu erzielen ist. Hauptvorteil liegt in der starken Reduktion der DrawDowns. Das ist psychologisch ein sehr großer Vorteil, da dies die Wahrscheinlichkeit mindert, zum falschen Zeitpunkt auszusteigen!

Die Buy-and-Hold-Strategie ist insofern sehr anfällig, dass natürlich jeder versteht, das über lange Zeiträume Risikoprämien zu verdienen sind, aber nicht jeder die Kraft hat diese langen Zeiträume auch durchzuhalten.

Wie immer am Monatsende ein Blick auf die Performance des Gesamtsystems:
Feb16: 4,58% und 6,23% seit Jahresanfang.

Trades für das monatliche System:
Kauf von 1/2 Position: EM Renten

Sonntag, 14. Februar 2016

Was Gewinner von Verlierern unterscheidet

Diesmal ein kleines Intermezzo zwischen den sonstigen System-Posts:

Was Gewinner von Verlierern unterscheidet (Jim Paul & Brendan Moyniham).

Ganz ehrlich - der deutsche Titel gefällt mir nicht! Der Originaltitel ist interessanter:
What I learned loosing a million dollars.
So ein Titel ist natürlich auffällig, insbesondere neben den typischen Büchern - Wie ich die Lotterie gewann!

Das Buch ist schon ein paar Tage auf dem Markt, aber ich bin durch Zufall wieder darauf gestoßen.
Ich verfolge, wenn auch mit großem Zeitverzug, einen Podcast von Michael Covel. In der Trendfolger Szene ist er bekannt geworden über sein Research über die Turtles (Themenspeicher) und hat verschiedene Bücher geschrieben.

Michael hatte Brendan Moyniham zu Gast und sie sprachen über sein Buch. (Meb Faber - aus dem letzten Post - ist übrigens auch regelmäßig im Covels-Podcast).

Eigentlich kenne ich das Buch auch schon länger. Ich habe es von einem Kollegen und Freund zum Ausstand bei meinem letzten Arbeitgeber bekommen.

Nach dem Podcast habe ich das Buch gleich nochmal aus dem Regal genommen und musste als erstes über die Widmung des Kollegen schmunzeln. Dann war es mir gleich vertraut, sodass ich begann einige Seiten nochmal zu lesen.

Das verrückte ist! - Brendan hat es auch im Podcast erwähnt - das Buch versteht man erst nach den Erfahrungen der letzten Jahre incl. deutlicher eigener Verluste viel besser als beim ersten mal lesen.

Worum geht es im Buch? Prinzipiell um Verluste - genauer gesagt um den Umgang mit Verlustsituationen, insbesondere am Kapitalmarkt - also Geld!

Es wird die Geschichte von Jim Paul einem Händler im Rohstoffmarkt erzählt, welcher nach einem sehr großen Gewinn diesen wieder verlor und am Ende Schulden hatte.

Die beiden Autoren erarbeiten systematisch, was passiert ist und ordnen dies in die 5 Phasen des Verlustes ein. Dabei wird unterschieden zwischen inneren und äußeren Verlusten. Der innere Verlust ist der persönliche - wenn man recht bekommen will. Der äußere ist nur der Verlust von Geld. Den äußeren Verlust kann man aber vorher planen und dafür sorgen, dass der Verlust des Geldes nicht zum Ruin führt - Recht haben kann teuer werden.

Deshalb gibt es an der Börse auch die Frage: Recht haben oder Geld verdienen.

Weiterhin wird auf den Unterschied zwischen (Wett)-Spiel und Spekulation an der Böse eingegangen.
Das eine ein Spiel mit ex ante bekanntem Zeithorizont, Regeln und klaren Gewinnen und Verlusten. Auf der anderen Seite die Börse als ein kontinuierliches Spiel, bei dem man die Regeln selbst bestimmen muss.

Am Ende geben die Autoren dem Leser einige Werkzeuge an die Hand, welche den Spekulant besser vor der Spirale eines Verlustes bewahren soll.

Dabei wird klar, dass man selbst der Einzige ist, der die Regeln, den Plan oder Strategie aufstellen und sehr diszipliniert befolgen muss.

Das ganze funktioniert nur, wenn man im neutralen Zustand - also ohne Position - diese Regeln bzw. Pläne aufschreibt. Diese müssen möglichst detailliert sein, um jeden möglichen Zustand im Voraus durchzuspielen und Handlungsanweisungen sofort zur Verfügung zu haben.

Hat man erstmal einen Plan, gibt es immer wieder Situationen, an die man nicht sofort gedacht hat. Als Beispiel hatte ich in einem der vorherigen Posts über mein Problem mit den zu früh exekutierten Stops geschrieben. Hat man solche Prozessschwächen erkannt, kann man seinen Plan adjustieren und ist gewappnet für das nächste mal - diesmal hat man die Lösung schon in der Schublade.

Um zu vermeiden, dass ich Verluste persönlich nehme, stelle ich mir meine Systeme als eine Reihe von Spielautomaten (Einarmige Banditen). Die Preise am Markt für die von mir gehandelten Märkte sind eben ganz neutral nur Zeitreihen - es könnten auch Daten über die wöchentlichen (monatlichen) Temperaturschwankungen sein, aber diese sind leider nicht handelbar.

Die Einarmigen Banditen werden einmal pro Woche bzw. Monat von mir angestoßen und liefern dann die Trades für die in der nächsten Woche respektive dem nächsten Monat umzusetzen sind.
Das Spiel ist nach einer Woche dann zu Ende und beginnt mit dem neuen Trade-Set von vorn.

Das Buch ist absolut lesenswert - ggf. sogar nochmals nach einigen Jahren Erfahrungen. Es hat mich auf meinem Weg bestätigt: Die Suche nach dem Heilige Gral ist die Suche nach sich selbst.

Signale diese Woche:
keine

Sonntag, 7. Februar 2016

1. Baustein zum Dritten - das zweite System

Als verbleibendes Stück zum ersten Baustein möchte ich kurz darlegen, was mich bewogen hat 2 Systeme zu handeln.

Der Grund ist natürlich relativ einfach: Risiko und Rendite.

Das wöchentliche System verwendet aufgrund der Risiko-Einstellung nicht das gesamte Kapital und dann lag es relativ nah, mit diesem freien Kapital etwas anzufangen. Da die Renditen im Geldmarkt momentan nicht besonders hoch sind, viel die Wahl auf eine Anlage in Fonds.

Das ein reines Long-Investment nicht in Betracht kommt sollte nach dem schon im Blog gesagten relativ klar sein. Auf der Hand lag natürlich ebenfalls ein Trendfolge-System zu benutzen.

Natürlich würde eine stärkere Stil-Diversifikation das Risiko im Portfolio weiter absenken, aber dann könnte ich bekannte Verfahren nicht nutzen und ich wollte unbedingt wieder etwas relativ mechanisches.

Also gesagt getan: Sinnvolle Assets (bzw. Strategien) ausgewählt und dann auf die Teststrecke.

Sinnvolle Strategien? Ich habe mir über die Jahre angewöhnt besser von Strategien als von Asset-Klassen zu sprechen.
  1. Verursacht der Begriff Asset-Klasse immer eine Menge Abgrenzungsfragen und Dissonanzen: z.B. sind Währungen eine Asset Klasse? Sind es Hedge Fonds, oder sind das nur Kombinationen verschiedener Asset Klassen?
  2. Eine Strategie kann, aber muss nicht aus nur einer Asset Klasse bestehen. Anders herum ist jedoch jede Asset Klasse eine Strategie. Kaufe ich den DAX mit seinen 30 Werten, dann ist das die Asset Klasse Aktien Deutschland - es ist aber auch die Strategie: Kaufe immer die 30 größten Aktien Deutschlands (nach free float) und gewichte diese nach Ihrer Marktkapitalisierung.
Ganz abstrakt betrachtet ist eine Strategie auch nur ein Risikoprofil (Mittelwert, Standardabweichung  etc.) mit einer (hoffentlich) Risikoprämie.

Als sinnvollen Strategien ausgewählt habe ich: Aktien Deutschland, Aktien Welt, Aktien Emerging Markets (Minimum Volatility), Langlaufende Euro-Renten, Renten Emerging Markets und Rohstoffe (Roll-Renditen-Optimiert).

Warum gerade diese? Wir haben zwar noch nicht viel über Risikomanagement gesprochen, aber ich gewichte Risiken im Portfolio generell gleich bzw. sehr ähnlich. Solange ich von den einzelnen Risiken gleiche Risikoprämien über die Zeit erwarte, gibt es keinen praktischen oder theoretischen Grund für ein anderes Handeln. Genaueres werde ich dann in mindestens einem separaten Blog erläutern.

Die monatliche Strategie basiert im Wesentlichen auf gleitenden Durchschnitten und geht ein Instrument long, sobald es mit dem Ultimokurs über dem gleitenden Durchschnitt liegt. Die Position wird glattgestellt, wenn diese Bedingung nicht mehr zutrifft.

Das klingt super simple und ist es auch. Kann das funktionieren?

Der Backtest zeigt ganz gute Ergebnisse: Die Rendite ist langfristig nur leicht besser als eine Buy-and-Hold Strategie, aber! die Draw Downs sind deutlich geringer schonen meine Nerven.

Wie ich schon erwähnt hatte besteht das Problem selten daraus eine langfristige Strategie zu finden, sondern diese durchzuhalten. Drawdowns sind dabei ein entscheidendes Element, welches den Investor genau zur falschen Zeit die Strategie verwerfen lässt.

Zusätzlich zu dem geringeren Risiko und Drawdowns hatte diese long only Trendfolgstrategie eine geringere Korrelation (ca. 0,6 - 0,7) zu meinem bestehendem wöchentlichen System.

Eine langfristige Untersuchung einer ähnlicher Strategie kann man bei Mebane Faber finden:
http://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=962461

Mebane Faber schreibt auch einige sehr gute Bücher und weitere Research Paper - also auf jeden Fall lesenswert!

Signale meiner wöchentlichen Strategie:
Wir schließen eine Short-Position in Gold, da der Stop Loss erreicht wurde.
Das Gleiche gilt für die Short-Position im EUR/USD.

Damit man diese beiden Trades einordnen kann, muss ich noch meine Startaufstellung für das Jahr 2016 bekannt geben.

Monatliches System (long only):

  • DAX
  • MSCI Welt (hedged in EUR)

Das wöchentliche System hatte zum Jahresanfang folgende Positionen:

  • Short EuroStoxx50
  • Long Bund Future
  • Short WTI
  • Short Gold
  • Short EUR/USD

Zuletzt noch ein Nachtrag zum letzten Blog: Die Performance der beiden kombinierten Strategien nach Abzug aller Kosten beträgt seit Jahresanfang: 1,59% per Ende Januar.

Sonntag, 31. Januar 2016

1. Baustein Fortsetzung

Nachdem wir der Frage System oder diskretionärer Ansatz nachgegangen sind, möchte ich die Diskussion mit der zweiten Frage fortsetzen:

Was ist die richtige Handelsfrequenz?

Sucht man im Internet nach "Trading" wird man relativ schnell mit Day-Trading konfrontiert. Präzise formuliert ist natürlich das Intra-Day-Trading gemeint.

Es geht aber auch anders. Das erscheint ggf. weniger aufregend oder sogar langweilig - aber nicht unbedingt weniger erfolgreich. Gerade die großen Managed Future Player im Markt, wie AHL, Winton, BlueCrest etc. sind mit längerfristigen Positionen unterwegs.

Der technische Aufwand für Day-Trading ist um einiges höher, da Real-Time Kurse und ein schneller Zugang zu den Order-Systemen der Börse entscheidend sind. Außerdem ist Day-Trading ein Full-Time Job.

Mir ist nicht klar, welcher Zusammenhang zwischen Entertainment (emotionale Anspannung) und Geld verdienen besteht. Wenn überhaupt, würde ich behaupten, kostet Entertainment Geld.

In einem der letzten Posts hatte ich bereits geschrieben, dass ich ein wöchentliches und ein monatliches System umsetze. Diese längeren Handelsfrequenzen haben für mich verschiedene Vorteile:
  1. Ich habe einen Full-Time Job, der mir auch Spass macht.
  2. Das System benötigt weniger Daten, sodass Excel völlig ausreicht, das System automatisiert aufzusetzen.
  3. Die Daten müssen nur End-of-Day Kurse sein, sodass auch Realtime-Kurse unnötig sind. Das einzige was mich interessiert sind DOHLC-Kurse (Date-Open-High-Low-Close) der Woche.
  4. Die geringere Anzahl an Trades (ca. 30 p.a.) hält zudem auch die Handelskosten gering.
Das wöchentliche System generiert auf Basis der Schlusskurse von Freitag die Trades für Montag. Analog gilt das für das monatliche System - Ultimokurse mit Trades für den 1. des nächsten Monats.
Sollte der Montag bzw. der 1. des Monats kein Handelstag sein, dann gilt der nächste.
Das klingt zwar logisch, ist aber Teil eines stringenten Prozesses. Dieser ist zu definieren und zu befolgen, wenn man System-Trader ist.

Starre Regeln führen auch bei meiner Handelsfrequenz immer mal wieder zu interessanten Fragestellungen, welche mir beim ersten Design nicht sofort transparent waren.
Über die Jahre konnte bzw. musste ich mein System immer wieder an die Handelspraxis anpassen, um ein auseinander laufen zu verhindern.

Ein Beispiel: Ich arbeite mit festen Stops (dazu später mehr). Diese Stops waren auf Schlusskurse der jeweiligen Woche ausgelegt, d.h. wenn der Schlusskurs unter dem Stop (long) fiel, wurde die Position geschlossen. Dies hat sich als wenig tauglich erwiesen. Insbesondere in den letzen Jahren der Krise und ständigen Intervention der Zentralbanken, kam es oft vor, dass innerhalb der Woche der Stop schon unterschritten wurde, aber am Freitag der Schlusskurs wieder über dem Stop lag.

Typischerweise, wurde der Trend dann in der nächsten oder übernächsten Woche bestätigt und der Stop gerissen. Für diese Zeit jedoch, hatte ich eine (ungewollte) Abweichung meines Portfolios vom Handelssystem - eine sehr unerfreuliche Situation.

Jetzt hätte man natürlich a) nicht mit harten Stops arbeiten müssen und b) hätte ich die Position innerhalb der Woche wieder aufbauen können.
Beides erschien mir nicht der Richtige Weg. Daraufhin habe ich das System mit der Fragestellung: "Wie verhielt sich das System in der Vergangenheit bei Intra-Week Überschreitungen des StopLoss?" getestet. Mit dem Ergebnis des Tests habe ich das System dann so angepasst, dass der Tief-Kurs der Woche ausreicht, den StopLoss (long) zu triggern.

Das ist eben ein Vorteil eines Systems - man ändert die Programierung, testet und hat eine Idee über die Wirksamkeit der Änderung (Themenspeicher: Systemanpassungen)


Die heutigen Entscheidungen:

wöchentliche System: keine

Handelspositionen monatliche System:
Verkauf: DAX und MSCI Welt
Kauf: Barclays Euro Staatsanleihen 15-30J

Sonntag, 24. Januar 2016

1. Baustein

Heute möchte ich gern den 1. Baustein weiter vertiefen.

Der 1. Baustein sollte mindestens drei Fragen aufwerfen:
a) System oder diskretionär?
b) Was ist das richtige Zeitintervall, die richtige Handelsfrequenz?
c) Warum gleich zwei Systeme?

Diese drei Fragen habe ich mir nicht alle direkt von Anfang an gestellt und sicher ist die Antwort noch nicht 100%, aber die Antworten erschienen mir auf meinem Lern-Pfad als am geeignetsten für den Moment.

Damit wird auch gleich ein wesentlicher Aspekt des Erfolgs an den Kapitalmärkten deutlich:

Es gibt nicht DAS eine System, oder DIE eine Methode. Jeder muss für sich erkennen, welche Methode zu einem passt.

Damit sind wir bei Frage: Was ist besser, systematisch oder diskretionär zu entscheiden?

Als ich im Asset Management anfing war einer meiner ersten Jobs das Management eines Index-nahen Aktienfonds.
Meine Aufgabe bestand darin, regelmäßig die Gewichte der einzelnen Aktien des Index mit dem des Fonds abzugleichen und ggf. Transaktionen zum Ausgleich vorzunehmen. Dies wurde dadurch erschwert, dass laufend Mittel zu- oder abflossen. Des Weiteren beschränkte die Gesetzeslage einzelne Titel in ihrem Gewicht, sodass ggf. weitere Optimierungen nötig wurden.

Ironischer Weise war somit das Management eines Indexfonds ein sehr systematischer Anlageprozess. Die Gewichtung und damit das Risiko waren vorgegeben und die Aufgabe bestand darin eine Handelsvorgabe möglichst kostengünstig umzusetzen. Die Benchmark für den Erfolg dieser Strategie war der Index.

Da wir, wie die meisten Häuser ein fundamental getriebenes Haus waren, war solch ein Produkt ein Nebenprodukt des normalen Investment-Prozesses. Alsbald wechselte ich zum diskretionären fundamentalen Stockpicking.

Damit hatte ich gleich zwei neue Baustellen: Diskretionär und fundamentales Stockpicking.
(Das fundamentale Stockpicking möchte ich an dieser Stelle erst einmal nicht weiter verfolgen - das kommt in den Themenspeicher für später)

Was ist also besser: Diskretionäre Entscheidung oder Systematische Entscheidung?

Systematisch
Vorteile: Methoden und Systeme können an echten Marktsituationen getestet werden und geben schon eine Vorstellung darüber was hinsichtlich Ertrag und Risiko bzw. Draw Down zu erwarten ist.
Das System gibt dem Händler konkrete Informationen über den Zeitpunkt und die richtige Positionsgröße der Trades. Der Händler muss diese nur noch mechanisch umsetzen oder hat sogar ein automatisiertes Orderrouting.

Nachteile: Einem System muss man out-of-sample vertrauen, Signale können zum Teil gegen die eigenen Intuition laufen, bzw. Strukturbrüche könnten das erkannte Muster negativ beeinflussen. Gerade in Stresssituationen ist man geneigt in die Mechanik des Systems einzugreifen. Es besteht immer der Versuch das rigide System auszumanövrieren, weil man glaubt, dass man besondere Informationen hat, welche das System natürlich nicht kennen kann. Außerdem benötigt ein Systemansatz immer den Zugang zu verlässlichen Daten - mit möglichst langer Historie.

Diskretionär
Vorteile: Die oben genannten Nachteile können natürlich auch Vorteile sein. Zum einen hat man die Möglichkeit sehr flexibel Positionen auf- und abzubauen. Des Weiteren ist man bei der Wahl der Instrumente oder Märkte etwas flexibler und kann diese schneller wechseln. Sollten sich fundamental neue Dinge / Moden an den Märkten einstellen, dann ist man mit einem diskretionären Ansatz schnell in Lage auf diese Modetrends und Themen aufzuspringen. Bei einem systematischen Ansatz müssten erst genügend Daten des neuen Verhaltens beobachtbar sein, ehe man damit sein System kalibrieren kann.

Nachteile: Die Nachteile sind natürlich die Vorteile des systematischen Ansatzes und liegen alle samt im verhaltensorientierten Ansatz. Overconfidence, Under- and Overreaction, Kognitive Dissonanzen etc. Einige weitere Biases und Research dazu unter folgendem Link: http://www.behaviouralfinance.net/

Damit greifen wir an dieser Stelle das Thema vom ersten Blog: Der Suche nach dem Heiligen Gral - nochmals auf. Meine Erkenntnis vor allem an mir zu arbeiten, hat mich letztlich zu den Systemtradern gebracht, da ich einfacher mit den Nachteilen der Systeme zurechtkomme.

Somit gibt es prinzipiell kein Besser oder Schlechter. In der Industrie gibt es sogar Mischformen - typischerweise auf Grundlage eines Systems wird dann in Ausnahmefällen diskretionär eingegriffen.

Meines Erachtens gibt es dann zu häufig Ausnahmefälle, insbesondere wenn diese vorher nicht klar definiert sind (was äußerst schwer ist: Black Swan, siehe Taleb). Backtesting ist dann natürlich nicht möglich, da man vor dem Hintergrund der bekannten Zukunft wahrscheinlich deutlich weniger Ausnahmen machen würde bzw. man hätte sich gleich für ein anderes System entschieden.

Also entweder folgt man dem System oder bleibt bei diskretionären Entscheidungen!

Die heutigen Entscheidungen basierend auf dem wöchentlichen System:

Long US T-Note 10J, SL: 125,40
Short USD/JPY SL: 123,20

Sonntag, 17. Januar 2016

Vom Ende her ...

Heute ist Sonntag und wie besprochen poste ich heute meine neuen Trades.
Die aktuellen Positionen sind der Output meiner beiden Systeme.

Mit jedem Post der Positionen lassen sich meine Methoden / meine Herangehensweise etc. erkennen und ggf. auch diskutieren.

Zu Beginn muss ich mein Handeln etwas umreißen - ggf. noch an der Oberfläche aber für den Anfang genug:

  1. Baustein: Ich handele 2 Systeme -  ein wöchentliches und ein monatliches.
    Jede Woche am Samstag/Sonntag setzte ich mich in mein Home Office und berechne Trades für das wöchentliche System - damit wird auch schon klar, das dieses immer mit den Preisen vom Freitag arbeitet.
    Das zweite System ist ein monatliches System, welches parallel zum wöchentlichen läuft und auf die Monats(end)preise abstellt.
      
  2. Baustein: Beiden Systemen unterliegt die gleiche Idee der Trendfolge, denn beide identifizieren diesen Trend anhand gleitender Durchschnitte.

  3. Baustein: Bleibt noch als letztes für heute zu sagen, welche Märkte mit beiden Systemen gehandelt werden:

    Wöchentlich: Aktien (EuroStoxx 50 und S&P500), Renten (Bund Future und T-Note Future), Rohstoffe (Gold und WTI-Oel) sowie Währungen (USD/EUR und JPY/USD).

    Monatlich:
    • MSCI Welt, ISIN: DE000A1H53Q8
    • DAX, ISIN: DE0005933931
    • MSCI EM, ISIN: DE000A1KB2B3
    • Barclays Euro Gov 15-30Y, ISIN: DE000A0LGQC4
    • JPM EM, ISIN: DE000A0RFFT0
    • DBLC OY, ISIN: LU0292106167.

Nicht mehr und nicht weniger!



  • Aktuelle Neueröffnung:
    Short Position im S&P500, StopLoss 2050 Punkte


Aus dem oben beschrieben Bausteinen werde ich in den nächsten Wochen meinen Blog weiter füllen und jedem Baustein weiter vertiefen.
Die eigentlichen Positionen sollen keine Aufforderung sein, gleiches zu tun und sind eben auch nur das Endprodukt meiner Überlegungen. Sie dienen vielmehr dazu, das Thema Trading / Trendfolge anschaulich zu machen und eine gewisse Regelmäßigkeit in den Blog zu bekommen.

Ich werde darüber bloggen, wie es technisch umgesetzt wird bis zurück zu den Grundgedanken über das Warum? -  eben vom Ende her gedacht.

Donnerstag, 14. Januar 2016

Aller Anfang ist schwer ...

Durch die Prinzipien und Ideen der Trendfolge haben ich eine Menge über mich gelernt.

Am Anfang: Seit einigen Jahren bin ich beruflich wie privat im Asset-Management unterwegs. In dieser Zeit gab es gute wie schlechte Zeiten - die Märkte durchlebten einige Krisen und danach starke Erholungsbewegungen.

Antrieb war die Frage, wie es möglich sein kann, nach aller grauer Efficient-Market Theorie aus Universitätszeiten, dass einige Marktteilnehmer große Gewinne am Kapitalmarkt erzielten und andere im Durchschnitt Geld verloren.

Das wird in der Literatur gewöhnlich als die Suche nach dem Heiligen Gral bezeichnet.
Bei mir verlief die erste Etappe der Suche über ca. 10 Jahre! Das war nicht nur lang, sondern auch kostspielig.

Dann habe ich festgestellt, dass ich in der völlig falschen Richtung gesucht habe. Die Kunst in der Geldanlage (und wahrscheinlich im Leben) liegt nicht an der richtigen Methode, sondern an der richtigen Einstellung - also an mir selbst.

Die Suche nach dem Heiligen Gral ist eigentlich ein Weg der Erkenntnis über sich selbst - das soll mich in diesem Blog leiten.

Damit das Ganze nicht so esoterisch klingt, werde ich meine wöchentliche Positionierung kurz posten ansonsten aber mehr über Trendfolge, Methoden, interessante Literatur bzw. Research und eigene Fehler schreiben - immer in der Hoffnung, dass Ihr keine 10 Jahre auf dem Weg der Erkenntnis benötigt.