Posts mit dem Label Risiko Management werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Risiko Management werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 6. März 2016

3. Baustein Fortsetzung - Positionsgröße

Nachdem wir die Frage der Positionsgröße schon angeschnitten haben, hier noch einige ergänzende Informationen bzw. Überlegungen.

Zum einen ein Chart, welcher den indexierten Verlauf der Trendfolge-Strategie vs. einem Buy-And-Hold Mix zeigt:

Dabei ist zu sehen, dass die Buy-And-Hold Strategie nicht wesentlich schlechter in ihrer Gesamtperformance lag. Die Frage, welche sich der Beobachter allerdings stellen muss:

Hätte ich diese Strategie mehrere Jahre durchgehalten, oder auf dem Tief von 2008 kalte Füße bekommen und die Position glattgestellt?

Zusätzlich noch ein Chart, welcher die Performance der einzelnen Komponenten des Systems zeigt:


Hier kann man sehr gut erkennen, das die gewählte Strategie nicht immer gut funktioniert. Bei den Rohstoffen bleibt immer noch ein gutes Stück Volatilität bestehen - das sollte gesteuert werden!
Zur Erinnerung, wir hatte ich die Positionsgröße anhand der Draw Downs (DD) bestimmt.

40% Aktien x DD-Aktien (13%) =  5,2% DD-Beitrag
40% Renten x DD-Renten (11%) =  4,4% DD-Beitrag
20% Rohstoffe x DD-Rohstoffe (28%) = 5,6% DD-Beitrag

In der Summe würde ich im Worst-Case-Szenario einen DD von 15,2% erwarten.

Dabei unterstelle ich, dass alle DD zur gleichen Zeit stattfinden. Dem ist in der Vergangenheit nicht immer so gewesen, aber in einer großen Kriese, könnte dies zutreffen.

Letztlich ist mein Ziel mit dem Portfolio: Kapitalertrag über sehr lange Zeiträume zu generieren und dass mit geringem Risiko - auch mit einem geringen Risiko des Totalverlustes.

Das dies ganz gut funktioniert, kann man an den folgenden beiden Charts ablesen. Zur besseren Vergleichbarkeit habe ich diese gleich skaliert:




Deutlicher Unterschied, oder? Selbst wenn die Rohstoffkomponente im Trendfolge-Modell in den letzten Monaten nur Fehlsignale geliefert hat, war diese dennoch deutlich besser als eine Buy-And-Hold Strategie.

In der nächsten Woche übertragen wir diese Philosophie auf das wöchentliche System.


Trades für die nächste Woche im wöchentlichen System:

Schließen der Short Position in WTI-Oel

Montag, 29. Februar 2016

3. Baustein und Monatsende

Gestern hatte ich verschiedene Möglichkeiten beschrieben einen Trend zu bestimmen. Am Ende hatte ich dann auf die wirklich steuerbare Größe des Risikos hingewiesen.

Da heute Monatsende ist und damit ein neuer Trade für das ETF-Portfolio ansteht, möchte ich an diesem Beispiel zeigen, wie ich das Thema Risiko für mich handhabe.

Gleich am Anfang des Blogs wurden die "Asset-Klassen" welche für das ETF Portfolio in Frage kommen beschrieben. In einem weiteren Blog wurden aus den "Asset-Klassen" Strategien mit Risiko-Prämien (Ertrag) und Risiko-Profilen (Risiko, DrawDown) - siehe Tabelle:


Hier einige Informationen auf einmal zu sehen. Gewicht ist der prozentuale Anteil am Portfolio. Ertrag ist der annualisierte Ertrag der jeweiligen Strategie. Das Risiko ist das annualisierte Risiko. DrawDown ist eine für mich wichtigere Größe als das Risiko bzw. die Standardabweichung.

DrawDown ist der maximale Verlust vom jeweiligen Höchststand der Strategie. Die MAR (Managed Account Ratio) ist Ertrag / DrawDown - angelehnt an die Sharpe Ratio (Ertrag über risikolosem Zins / Risiko).

Das Prinzip ist nun relativ einfach: die Renten- und die Aktienstrategien haben einen DrawDown von ca. 10-15%, während die Rohstoffe das doppelte aufweisen.
Damit werden die beiden erstgenannten mit dem doppeltem Gewicht im Portfolio, relativ zu den Rohstoffen versehen.

Das Prinzip ist keine Wissenschaft - ich halte die Gewichte prinzipiell statisch, bzw. werden dies in größeren Abständen nochmal überprüft. Die Strategie soll jedoch möglichst einfach umzusetzen sein und das genaue Verhalten bzgl. DrawDown und Risiko ist auch nur approximativ zu bestimmen.

Theoretisch fundiert ist das Ganze unter dem Stichwort Risk-Parity. Diese Art der Portfoliogewichtung wurde prominent von Bridgewater (Ray Dalio) zur Anwendung gebracht. Dabei wird prinzipiell das Risiko im Portfolio nach dem Prinzip 1/Risiko gleich gewichtet. Es gibt jedoch andere Untersuchungen, welche den Risikobeitrag (also unter Beachtung von ungleicher Korrelationen der einzelnen Assets/Strategien) oder den Shortfall als Maßgröße nutzen. In den letzten Jahren wurde auf dem Gebiet einiges geforscht - hier hilft Google sicher weiter.

Weiterhin ist in der Tabelle die deutliche Risikoreduktion, insbesonderer der DrawDowns durch die Verwendung einer Trendfolgestrategie zu sehen.

Das Risiko sinkt zwar meist auch, jedoch ist das Ergebnis nicht ganz trivial. 
Zum Hintergrund: Meine Strategie arbeitet zwar nur auf der Long-Seite, aber es können auch relativ hohe positive Monatsrenditen auftreten, wenn die Strategie nicht investiert ist. Diese positiven Renditen würden durch die Strategie abgeschnitten und damit wird die Verteilung der Renditen weniger breit als im Vergleich mit Buy-and-Hold. Die Gefahr von DrawDown bliebe jedoch weiterhin gegeben.

DrawDowns werden durch Autokorrelation verursacht. Eine Strategie, die Autokorrelation als Bedingung für das funktionieren unterstellt (langsame Anpassungsprozesse - Over- and Underreaction) und daraus einen Vorteil zieht, kann große DrawDowns vermeiden.

Der Vergleich der Erträge der Index-Strategie (also Buy-and-Hold) mit den Erträgen der Trendfolgestrategie zeigt, dass nicht immer ein höherer Ertrag zu erzielen ist. Hauptvorteil liegt in der starken Reduktion der DrawDowns. Das ist psychologisch ein sehr großer Vorteil, da dies die Wahrscheinlichkeit mindert, zum falschen Zeitpunkt auszusteigen!

Die Buy-and-Hold-Strategie ist insofern sehr anfällig, dass natürlich jeder versteht, das über lange Zeiträume Risikoprämien zu verdienen sind, aber nicht jeder die Kraft hat diese langen Zeiträume auch durchzuhalten.

Wie immer am Monatsende ein Blick auf die Performance des Gesamtsystems:
Feb16: 4,58% und 6,23% seit Jahresanfang.

Trades für das monatliche System:
Kauf von 1/2 Position: EM Renten

Sonntag, 21. Februar 2016

2. Baustein und 20 Regeln

Im Post bzgl. der Handels-Frequenz hatte ich schon etwas über das monatliche System geschrieben.
In Anlehnung an die Untersuchungen von Meb Faber habe ich mein System sehr ähnlich konstruiert.

Mebane hat u.a. analysiert, wie sensibel die Länge der gleitenden Durchschnitte auf das Ergebnis reagiert. Die Untersuchung ergab keinen großen Unterschied bei mittelfristigen Zeiträumen.

Dem kann ich mich anschließen: Zum einen habe ich selbst mehrere verschieden Zeiträume untersucht und eben nur kleine Unterschiede gefunden. Bei einer Strategie (Asset Klasse) funktioniert der kürzere besser bei der anderen der längere. Somit bin ich letztlich bei einem 6/12M System gelandet.

6/12M bedeutet ich gewichte 2 monatliche Systeme 50/50. Eines arbeitet mit dem 6M gleitenden einfachen Durchschnitt auf dem Monatsultimo und das andere eben mit dem 12M Durchschnitt.
Damit variiert meine Positions-Größe zwischen 0-0,5-1. Das erhöht zwar leicht die Anzahl der Trades, aber lässt mich einen Trend frühzeitig erfassen bzw. hält mich länger im Trend. Wichtig ist, das große Trends in der richtigen Richtung erfasst werden.

Die geringe Sensitivität der Handelsfrequenz zwischen 6-12 Monaten zeigt m.E., dass es weniger auf das eine perfekte System zum Einsteigen ankommt, als vielmehr auf das richtige Risiko-Management und das disziplinierte Umsetzten der selbst aufgestellten Regeln.

Bei meiner Recherche im Internet, bin ich bei Wallstreet-Online auf einen Blog gestoßen, auf dem am Anfang auf 20 Regeln hingewiesen wird, welche beim Traden immer zu beachten sind.
Ein Beispiel für 20 typische Regeln in Internet-Foren (Autor ist ein gewisser Bernecker1977).

Ganze 20 Regeln erschienen mir relativ viele, aber warum nicht? 
Werfen wir mal ein Blick auf diese Regeln, mit Kommentaren meinerseits:

  1. Vergiss die Nachrichten und handle den Chart
    Für mich interpretiert würde das heißen: Vergiss die Nachrichten und handle Dein System!
    Da gibt es dann auch nichts weiter hinzuzufügen.
     
  2. Kaufe den ersten Rücksetzer nach einem neuen Hoch, bzw. Verkaufe Rücksetze nach neuen Tief.
    Das klingt erstmal ganz vernünftig, aber gibt in Wirklichkeit keine konkrete Handlungsempfehlung. Es ist weder definiert, was ein Rücksetzer konkret ist, noch ist definiert, wann der Trade als gescheitert gilt - z.b. durch die Definition eines Stop Loss. Das Set-Up ist nicht vollständig.
     
  3. Kaufe bei Unterstützungen und verkaufe bei Widerständen:
    Hier gilt das gleiche. Wer einmal vor einem Chart gesessen hat, dem ist sicher ganz schwindelig geworden von den möglichen Linien die als Unterstützung gelten können. Leider ist Chart-Technik mehr eine Kunst als eine Wissenschaft - selbst ausgewiesene Experten sind sich an vielen Stellen nicht einig. Deshalb gilt auch hier - zu wenig konkret!
     
  4. Kurze Rallyes ohne Sell-Offs sind typisch für einen Abwärtstrend.
    Das ist überhaupt keine Regel, sonder allenfalls eine Beobachtung.
     
  5. Kaufe oder Verkaufe nie in einen großen gleitenden Durchschnitt
    Diese Regel verstehe ich nicht - gegen oder mit dem Trend?
    Der Preis liegt unter, auf (selten) oder über dem Durchschnitt. Dann sollte die Regel lauten: Verkaufe nie wenn der Preis über einem "großen" Durchschnitt liegt und vice versa.
    Das Problem bleibt: Zu wenig konkret um darauf zu handeln - was ist ein großer Durchschnitt und wie verhalte mich, wenn der Preis unter dem einen "großen" Durchschnitt liegt und gleichzeitig über einem anderen - das gibt eine Menge Dissonanzen!
     
  6. Renne nie dem Momentum nach, wenn Du den Ausstieg nicht finden kannst.
    Trader die Ihre Hausaufgaben vor dem Trade machen, finden immer den Ausstieg.
     
  7. Erschöpfungs-GAP werden geschlossen. Durchbruchs- und Fortsetzungs-GAP nicht. Handle daher in Richtung der GAP-Unterstützung.Das Problem liegt darin, dass man immer erst nachher genau wissen kann, welches Gap aufgetreten ist. Dann darauf zu setzen, das der aktuelle Trend dreht in einem schnellen Markt (Fortsetzungs-GAP) kann sehr teuer werden.
     
  8. Trends testen die letzten Widerstands- und Unterstützungspunkte.Als Trendfolger muss ich dem natürlich widersprechen, aber hier soll nur die Regel im Vordergrund stehen.
    Nehmen wir mal an, dass der Widerstand relativ gut definiert ist, so fehlt der Hinweis darauf, wann der Trade geschlossen werden muss. Zumal ein Break der Widerstandszone zu einer Beschleunigung führen sollte und nicht so leicht zu handeln ist.
    Erfahrungen zeigen, dass Widerstände - die auch als solche taugen - meist nochmals getestet werden. Das sollte man bei der Definition des Setup beachten.
     
  9. Trade mit dem Tick, nicht gegen ihn. Spiele nicht den Helden.
    Das ist in soweit Ok Trendfolger handeln immer in Richtung des Marktes. Für mittelfristige Trades jedoch nicht zu nutzen. "Spiele nicht den Helden" ist sicher der wichtigste Teil dieser Regel. (Recht haben vs. Geld verdienen)
     
  10. Vergiss deinen Hochschulabschluss ... und vertraue auf deinen Instinkt.
    Über den Hochschulabschkuss kann man streiten - vertraue dem Instinkt halte ich für gefährlich. Wozu stellt der Autor überhaupt Regeln auf, wenn man nur seinem Instinkt folgen soll - es lebe die Behavioural Finance!?
     
  11. Verkaufe das zweite Hoch und kaufe das zweite Tief.
    Wie immer zu pauschal, kein konkretes Set-Up, keine konkrete Handlungsanweisung.
     
  12. Der Trend ist Dein Freund in der letzten Handelsstunde ... in den USA.
    Für den Mittelfristig orientierten Trader ist der Trend natürlich immer Dein Freund.
    Dies wurde schon in der Behavioural Finance untersucht: Over- and Underreaction (Momentum: Jegadeesh & Titman)
     
  13. Vermeide den Handel der Eröffnung, besonders Anfänger werden hier oftmals überrannt.
    Habe ich schon oft gehört, aber auch noch nie einen wirklichen Test dazu gesehen. Meine eigenen Untersuchungen anhand meiner Handels-Signale zeigen das der Handel in der Eröffnung die geringsten Gaps zum Wochenschluss bzw. Ultimo aufweisen.
     
  14. 1-2-3-Regeln beachten. Suche dafür in Abwärtstendenzen nach einem Top, zwei niedrigerenHoch's und einem Doppelboden, um in die Gegenrichtung zu investieren.
    Wenig konkret: Wie bestimmt man die Abwärtstendenz, wie qualifiziert sich ein Top und wie genau sieht der Doppelboden aus. Alles Dinge die auf dem Chart der Vergangenheit mit Phantasie zu lesen sind, aber am aktuellen Rand beim Einstieg in die Position eine Menge Fragen aufwerfen. Der Exit bleibt wie bei vielen Regeln ungeklärt!
     
  15. Die Bullen leben über der 200-Tagelinie, Bären darunter.
    Das klingt wenig konkret ist aber konkreter als viele Regeln vorher. Die 200-Tagelinie ist normalerweise ein einfacher gleitendender Durchschnitt der letzten 200 Handelstage.
    Damit ist implizit auch schon ein Exit definiert. Konkret würde dies heißen: Kaufe wenn der Schlusskurs des Vortages über der 200-Tagelinie lag und verkaufe sobald dieser darunter liegt.
     
  16. Der Preis hat ein Gedächtnis.
    Keine Regel, da keine Handlungsanweisung. Zumindest ein Analyse-Hinweis (mehr zum Thema unter Hurst-Exponent)
     
  17. Große Handelsvolumen töten eine Trend-Bewegung. ... Erkenne diese Muster und warte auf eine Entscheidung oder handel die Range.
    Viel zu viele offene Fragen: Was genau? Wann? Exit?
     
  18. Trends kehren nicht nach wenigen Punkten um. Trend-Umkehrungen bauen sich immer langsam auf. Die erste scharfe Abwärtsbewegung findet immer Käufer und die erste starke Aufwärtsbewegung immer Verkäufer.Da kann ich nur sagen: Good Luck - an der Börse wird gewöhnlich nicht geläutet! 
  19. Böden bilden sich länger aus als Hochpunkte. Angst agiert schneller als Gier und sorgt dafür dass Aktien vom eigenen Gewicht fallen und bei Optionsscheinen die Volatilität zunimmt.
    Das ist keine Regel, allenfalls eine Beobachtung bzw. doch nur eine Behauptung. Schon allein, dass die Vola nur bei Optionsscheinen ansteigt finde ich etwas gewagt. Das war wahrscheinlich nicht so gemeint, aber dann sollte man es eben auch nicht schreiben.
     
  20. Schlage die Masse innerhalb und außerhalb der Tür. Du musst Ihnen Ihr Geld nehmen, bevor Sie Deins nehmen. Nur so wirst Du ein Gewinner.
    Da kann ich nur auf meinen letzten Post über das Buch: Was Gewinner von Verlierern unterscheidet verweisen.
    Die Regel 20 (welche keine ist) führt auf jeden Fall dazu, dass der äußere Verlust zum inneren wird. Was dann passiert haben die beiden Autoren im Buch m.E. deutlich genug beschrieben.

Alles in allem eine sehr durchwachsene Bilanz. Die meisten Regeln sind nicht konkret genug, damit überhaupt ein Trade klar formuliert werden kann. Nur eine Regel beantwortet (implizit) die Frage, was mit dem Trade passieren soll, wenn man diesen erstmal eröffnet hat - ganz zu schwiegen von einer Regel, welche das Risiko-Management auch nur streift.
Einige Regeln sind bestenfalls Beobachtungen, manchmal nur auf Basis weniger subjektiver Wahrnehmungen und andere sind schlicht Behauptungen, welche nie überprüft wurden.

Das gilt leider für viele der selbsternannten Gurus in Internetforen.

Trades für die nächste Woche:
keine